Direkt zum Hauptbereich

Das neue Aquarell Praxis Buch von Anita Hörskens - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing




Das neue Aquarell Praxis Buch 

von Anita Hörskens


Endlich mal ein Künstler, der sich nicht selbst in den Vordergrund stellt, sondern die Technik. Ein Buch für Anfänger, die das Aquarellieren lernen möchten. Anita Hörskens erklärt Schritt für Schritt die Grundlagen. Sie beginnt mit den Farben. Oft wird hier nur der Malkasten vorgestellt. Doch die Aquarelltechnik hat so viel mehr zu bieten! Näpfe, Kästen, Tuben, Kreiden, Stifte, Tusche, Gouache, Softpastelle, Ölpastelle, alles ist dabei! Auch bei den Hilfsmitteln ist alles dabei: Rubbelcrep, Aquapasto, Effektmittel, Aqua-Fix, Fixativ, Grundierungen und Strukturaufträge. Auch zu Pinsel, Papier und Werkzeug gibt es gute Infos.




Und weiter mit Farbenlehre, der Interaktion der Farben. Bei den verschiedenen Techniken spielt Wasser eine große Rolle. Auch hier wird alles gut erklärt, bis hin zu Aussparungen und Korrekturmöglichkeiten, die im Aquarell nicht sehr groß sind. Und weiter geht es mit der Komposition, dem Bildaufbau, Perspektive, Fluchtpunkt, Tiefe, Licht und Schatten. Damit ist das halbe Buch gefüllt. Und nun geht es zu den verschiedenen Übungen. Hier werden alle Maltechniken angesprochen und es gibt weitere Tipps. 



… verglich er die Statur eines einfach dargestellten Menschen mit einer Karotte. Die Karotte steht für den Körper. Anstatt des Grüns wird darauf ein Oval gesetzt, das den Kopf darstellt.



Da wir die meiste Zeit bekleidet sind und die meisten Menschen keine Modelfigur besitzen, auf keinen Fall wie Barbie aussehen, ist das Karottenmodell eine feine Übung, in einfacher Struktur Menschen darzustellen, die Figur dann auszuarbeiten. Gut auch der Hinweis, eine Bildvorlage zu suchen. Hier wurde aus einem Reisekatalog das Foto von einem buddhistischen Mönch ausgewählt. Wir sehen ihn von hinten, mit einem riesigen Schirm über die Schulter. Farblich ist der Künstler offen, er muss nicht die Originalfarbe wählen. Hier wurde ein stärkerer Kontrast gewählt, der das Auge auf den Bildmittelpunkt zieht, auf den Schirm. Zu jedem Motiv ist erklärt, mit welchen Papier gearbeitet wurde, mit welchen Farben, mit welcher Farbtönung, welche weiteren Farben, Stifte usw. genutzt wurde, welche Werkzeuge und Hilfsmittel benutzt wurden.



Mir gefällt, wie Anita Hörskens ihr Buch didaktisch aufgebaut hat und wie sie Grundlagen erklärt, Techniken. Sie erklärt, zeigt verschiedene Möglichkeiten, das in einfacher Form. Sie nimmt sich selbst zurück, ist »Lehrern«. In vielen anderen Büchern zeigen sich leider die Künstler im Vordergrund, sie und ihre Werke, wobei dann wenig für den Schüler herüberspringt. Danke Anita Hörskens, ein sehr feines Werk, das ich gern weiterempfehle. Demnächst erscheint ihr neues Buch beim EMF Verlag: »Druck trifft Aquarell« – ich bin gespannt.

Anita Hörskens lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin und Leiterin einer eigenen Malschule
in Pfaffenhofen an der Ilm. Als Trainerin und Referentin leitet sie Seminare in allen gängigen Mal- und Zeichentechniken. Die Autorin zahlreicher Acryllehrbücher unterrichtet auch als Dozentin an verschiedenen Fachakademien.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Factfullness von Hans Rosling

Nachrichten und Sensationen haben leider in der Regel eine Negativtendenz, selten wird darüber berichtet, wenn Gutes geschieht, das nehmen wir als Normalität wahr. Aber hat sich die Welt wirklich zum Schlechten verändert und wenn das nicht so ist, wie können wir herausfinden, wie die Welt sich entwickelt? Woran können wir uns erfreuen? Was verführt uns zu einer dramatisierten Weltsicht, die völlig an der Realität vorbeiläuft? Faktencheck zu unserem verzerrten, düsteren Weltbild! Ein wichtiges Buch, um unser Weltbild zu überprüfen und möglicherweise neu auszurichten.

Weiter zur Rezension:   Factfullness von Hans Rosling

Rezension - Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Ein Schweizer Kultbuch von 2001, neuaufgelegt, ein Comming of age – Roman, schräg, amüsant, empathisch, spleenig. Franz ist einer, der weiß, dass er irgendwie die Schule überstehen muss, mit Abschluss, aber wozu das alles gut sein soll, hat er noch lange nicht kapiert. Schule ist irgendwie ein Stück Heimat, wenn nur der Unterricht nicht wäre. Ein typisches Jugendbuch, allerdings in einer Form, das auch Erwachsenen gefällt.

Hier geht es zur Rezension:   Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Rezension - Ein Nashorn namens Clara von Katrin Hirt und Laura Fuchs

Ein Bilderbuch, das mich begeistert hat, denn es ist eine wahre Geschichte. Letztendlich eine tragische Story aus heutiger Sicht. Es war einmal ein kleines Nashorn, das mit seiner Familie in Indien lebte. Jäger töteten die Mutter, brachten das Jungtier in die Stadt, wo es von einer Kaufmannsfamilie aufgenommen wurde und den Namen Clara erhielt. Schon bald zeige sich, dass man ein Nashorn nicht im Haus halten kann. Kapitän Douwe Van der Meer hatte eine Lösung parat. Er nahm Clara mit nach Europa. Eine Sensation! So ein Tier hatte hier noch niemand gesehen!

Weiter zur Rezension:   Ein Nashorn namens Clara von Katrin Hirt und Laura Fuchs

Rezension - Ein Freund wie kein anderer von Oliver Scherz und Barbara Scholz

Die Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, die einige Krisen überwinden muss. Ein illustriertes spannendes Kinderbuch zum Vorlesen, ebenso für Erstleser geeignet. Ein Erdhörnchenkind und ein Wolf freunden sich an, haben manches Abenteuer zu bestehen und ihre Freundschaft wird auf die Probe gestellt.

Weiter zur Rezension:   Ein Freund wie kein anderer von Oliver Scherz und Barbara Scholz

Rezension - Zilly und Zingaro - Rätselhafte Monsterspuren von Korky Paul und Valerie Thomas

Ein Bilderbuch mit zauberhafter Grafik und britischem Humor. Einfach köstlich! Zilly die Zauberin und ihr großer schwarzer Kater Zingaro leben im Zauberwald und entdecken plötzlich riesige Fußspuren um ihr Haus herum Wem mögen sie gehören? Ein Fantasy-Bilderbuch aus der Kinder- und Jugendliteratur – Reihe Zilly und Zingaro.

Weiter zur Rezension:   Zilly und Zingaro - Rätselhafte Monsterspuren von Korky Paul und Valerie Thomas

Rezension - Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen von Michaela Karl

Maeve Brennan – eine Biografie 
1917 in Irland geboren erlebte Mave Brennan eine traumatische Kindheit in Dublin während der Unabhängigkeitskriege, denn ihre Eltern waren als Aktivisten mittendrin.  Als Diplomatenkind kam sie in ihrer Jugendzeit in die USA. Ihre Karriere begann sie als Werbetexterin, dann Moderedakteurin beim Magazin »Harper's Bazaar«, wo sie sich als hervorragende Trendforscherin einen Namen machte. »Maeve ist das, was man heute eine Influencerin nennen würde.« Sie wechselte zum »New Yorker«, wo sie unter William Maxwell ihren literarischen Erfolg mit ihren genau beobachteten Kurzgeschichten und Essays feierte. Sie war eine unstete Person, freiheitsliebend, beziehungslos und wechselten Männer und Behausungen wie die Unterwäsche. Sie lebte luxeriös und ausschweifend. Doch irgendwann war damit Schluss. Die Politologin und Historikerin Michaela Karl schreibt sachlich, hat akribisch recherchiert, und gibt dem Leser eine Menge Zitate aus den Kolumnen und Kurzgeschicht…

Rezension - Das Dunkle und das Helle von Kerstin Hau und Julie Völk

Dies ist ein besonderes Bilderbuch, mit viel Empathie stimmungsvoll gestaltet. Das Leben hat dunkle Seiten und helle Seiten. Landet man eine Zeit lang auf der dunklen Seite, so führt immer ein Weg hinaus ins Licht. Ein Bilderbuch für alle Kinder, aber sicher hilfreich in besonders schweren Lebenslagen. Julie Völk hat für dieses Buch die Technik der Cyanotypie, verwendet, eine der ältesten Fototechniken. Die Grafiken sind atmosphärisch, es werden fast ausschließlich kräftige Primärfarben verwendet, was in der Aufteilung einen wunderschönen Kontrast bietet.

Weiter zur Rezension:   Das Dunkle und das Helle von Kerstin Hau und Julie Völk

Rezension - Eisbären von Marie Luise Kaschnitz illustriert von Karen Minden

Marie Luise Kaschnitz war in meiner Jugendzeit meine Lieblingsautorin und so war für mich dies von Karen Minden illustriere Buch ein Genuss, Bleistiftzeichnungen, die sich wunderschön mit der Kurzgeschichte verbinden. »Eisbären«, die Novelle ist Kaschnitz-Fans geläufig: Eine Frau hatte schon geschlafen, wacht auf vom Geräusch des Türschlosses. Endlich kommt ihr Mann nach Hause. Doch er macht kein Licht. Ein Einbrecher? Seine Stimme bittet sie, das Licht nicht auszulassen. Sie soll die Wahrheit erzählen – damals im Zoo – auf wen habe sie gewartet?

Weiter zur Rezension:   Eisbären – Novelle von Marie Luise Kaschnitz, illustriert von Karen Minden

Rezension - Deckname Flamingo von Kate Atkinson

Ein Roman für geduldige, aufmerksame Leser, denn wer nach dem Klappentext einen aufregenden Agententhriller erwartet liegt falsch. Kate Atkinson beschreibt mit viel Humor – Sarkasmus – die Kriegszeit und die Nachkriegszeit in London, ein Gesellschaftsbild von 1940-1950. Ein in England spielender Spionageroman, Ocean-Cover, Swimmingpoolfeeling – doch das ist es nicht. Die 18-jährige Julia Armstrong wird 1940 MI5-Mitarbeiterin. Sie soll britische Nazi-Sympathisanten ausspionieren.

Weiter zur Rezension:   Deckname Flamingo von Kate Atkinson 

Rezension - Nature Sketching von Ueli Bieri

Mit Stift und Pinsel die Natur entdecken, der Schweizer Aquarellmaler lässt den Leser über die Schulter schauen. Er hat seine eigene Technik, die er über 200 Seiten lang präsentiert. Wer erwartet, er könne hier die verschiedenen Aquarelltechniken lernen, die man beim Nature Sketching anwenden kann, liegt falsch. Fauna und Flora in der Schweiz ist das Thema, sehr elegant und differenziert, aber auch sehr einseitig.

Weiter zur Rezension:   Nature Sketching von Ueli Bieri