Direkt zum Hauptbereich

STERNEKÜCHE KANN JEDER! von Benedikt Faust - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing


STERNEKÜCHE KANN JEDER! 


von Benedikt Faust

Sterneküche für zu Hause: Raffinierte Rezepte mit tollen Zutaten und großer Wirkung.


Denn JEDER sollte in der Lage sein, sich und seinen Gästen etwas Besonderes zu bieten. Faust kreiert dazu mit alltäglichen Lebensmitteln aus dem Supermarkt, seiner Leidenschaft zum Kochen und mit viel Hingabe absolute Highlights. Auf jeder Seite dieses Buches findet man interessante Perspektiven, einfachste Zubereitung und einzigartige Geschmacksexplosionen optisch pur in Szene gesetzt. Eine Einladung für alle, die sich das Sternelokal nach Hause holen wollen, denn: Sterneküche kann jeder!


Gleich vorweg, das Kochbuch trägt den falschen Titel. Eigentlich müsste es heißen, wie ich mit Deko und Schischi so tun kann, als könnte ich im Sternebereich der Küche mithalten. Wenn einer meint, er könne nicht kochen, möchte aber den Anschein bewahren, dann sollte er jetzt weiterlesen. Jungs, so könnt ihr Mädels beeindrucken! Mädels, so könnt ihr Jungs beeindrucken! Und wer schon kochen kann, der kann amüsiert die Rezension verfolgen. Einfach – aber beeindruckend. Bei manchen Rezepten könnte man sogar so weit gehen, zu sagen: Außen Hui und innen Pfui. Auf jeden Fall ist das ein Buch, über das Hobbyköche so richtig in Disput geraten können. Man kann es als Bereicherung sehen oder schlicht mit der Nase rümpfen, weil Sterneküche sicher nicht mit dekoriertem Eiersalat und Minihörnchen aus dem Supermarkt funktioniert. 


Die Hörnchen in eine hohe Schale mit den Deko-Linsen stellen und mit dem Eiersalat füllen. Mit Olivenscheiben, Schnittlauch sowie dem Forellenkaviar dekorieren.


Ei, Hörnchen, Kaviar; Fotografie aus dem Kochbuch



Man kann darüber diskutieren, ob pürierter Eiersalat aus dem Supermarkt maximaler Geschmack ist, aber das Ergebnis kann sich optisch sehen lassen. Und wenn man weiß, die Gäste, die man eingeladen hat, haben sowieso keinen Geschmack, dann kann man mit wenig Aufwand glänzen. Das Auge isst ja bekanntlich mit. 


Mit einem guten Schuss Verrücktheit ist ein Werk entstanden, mit dem man auf einfachstem Wege den maximalen Geschmack erreichen kann.


Verrückt ja, maximaler Geschmack eindeutig nein. Benedikt Faust war ein faules, dickes Kind, sagt er – faul sei er noch heute. Das nehme ich ihm nicht so ganz ab, denn wer als Koch brillieren will, kann nicht faul sein. Faust berichtet über seinen Werdegang und nun folgen diverse Vorbereitungen, um Zutaten später parat zu haben: Dörren, Pasten herstellen und es weiter zur Kräuter- und Gewürzkunde. Der Autor rät auch zu Zutaten, die vielleicht nicht jeder im Schrank liegen hat: Schwarze Nüsse, Pankomehl anstatt Paniermehl, Wasabipaste zum Schärfen, Ducca zum Würzen, Leinöl. Auch Ungewöhnliches ist dabei wie Pfeilwurzelstärke statt Speisestärke, Gelcrem als Bindemittel, Emulsionant, Xanthan zum Eindicken, Sojalecithin für Blubberblasen, «Glicerina» und andere Zutaten, mit denen cremiges Eis ohne Eismaschine gelingt. Die Grundrezepte für ein cremiges Eis und ein Sorbet lesen sich mit diversen Stabilisatoren im Rezept wie ein Chemieversuch. Nach der Vorstellung von Küchenwerkzeugen kommt die Erklärung zur Deko: Punkte, Tränen, Spritzer, Striche, Spiralen und Streifen, neben Kräutern, Nüssen, Gemüse gehören dazu auch Kartoffelchips, Knusperperlen und Fischlis. 


Kräcker, Karotte, Koriander ; Fotografie aus dem Kochbuch



Auf Seite 40 beginnen wir mit den Rezepten, dem Gruß aus der Küche, Waffeln mit Eiersalat, wie erwähnt. Ganz sterneküchenverdächtig ist auch der TK-Strudelteig, der in kleine Rechtecke geschnitten, mit einer Paste aus Instant-Kartoffelpüree bestrichen wird, der mit Kräutern der Provence und anderen Gewürzen aufgepeppt, im Ofen gebacken wird. Zu den Schiffchen gibt es getrocknete Tomaten und Oliven aus dem Glas, eine Majo-Schmand-Creme. Und was ist auf dem Foto über diesem Absatz zu sehen? Ein einfaches Rezept: Kräcker, Karotte, Koriander. Ihr wollt jemanden ärgern? Serviert ihm das hier, und fragt ihn, ob der Babybrei geschmeckt hat. Was jetzt? Ganz einfach, schwarze Sesampaste über den Teller streichen, «Karotten mit Mais und Biokalb»-Babybrei mit Gewürzen aufpeppen, dazu Knäckebrot. Fertig ist das Sternemenü. Leeres Gläschen unter dem Tisch vorziehen, zeigen und frech grinsen und beim Hauptmenü in den Fressnapf der Katze schielen, sie fragen, ob man ihr genug überiggelassen hat. - Den Gast siehst du nie wieder!



Hähnchen, Joghurt, Aubergine; Fotografie aus dem Kochbuch


Bei den Vorspeisen wird es aufwendiger – hier macht man aus Instand-Kartoffelpü Kroketten. Aber wenn ich sehe, wie man einen Salat verhunzen kann (Kopfsalat, Makrele, Ginger-Ale), dann fällt mir nichts mehr ein: «120 g gegrillte Makrelenfilets (Abtropfgewicht; aus der Dose), gesalzene Kartoffelchips natur und Sesamfischlis» gehören zu den Zutaten … TK-Spinat wird gern in diesem Buch verwendet und die Mikrowelle wird oft angeschmissen. Das ein oder andere Rezept ist völlig in Ordnung, wie z.B. «Roquefort, Radicchio, Rote Bete» – auch das Hauptmenü «Hähnchen, Joghurt, Aubergine» kann überzeugen. Die Desserts sind trotz aller Fertigzutaten letztendlich wieder aufwendig in der Herstellung. Die Fotos zu den Menüs sind in sofern gelungen – da sie alles lecker präsentieren, die typische Draufsicht vom Ergebnis, auch nicht originell. Ich persönlich bin der Meinung, mit Kleckern statt Klotzen serviert man noch lange kein Sternemenü. Hier kann man lernen, wie man Soßen und Pasten auf dem Teller verteilt, um hübsch anzurichten, aber mit gutem Handwerk hat das nichts zu tun. Das Durchziehen von «Straßen» und «Äckern» auf dem Teller, das Beschmieren mit Soße – ist das das die Vorstellung, wie Sterneküche auszusehen hat? Genau das hat ein guter Koch gar nicht nötig – denn der punktet ohne Fischli und Babybrei ganz allein mit einem ausgesprochen guten Produkt. Über wen wollte sich Benedikt Faust mit dieser Persiflage von Kochbuch eigentlich lustig machen? Über Kollegen oder Hobbyköche? Bitte, liebe Buchhändler, legt dieses Buch unter Satire ab, raus aus dem Kochbuchregal!


Spargel, Spinat, Dörrobst; Fotografie aus dem Kochbuch


Benedikt Faust begann seine Karriere mit einer Kochausbildung im Weinhaus Anker in Marktheidenfeld. In der Vergangenheit hat er über 10 Jahre den Michelin Stern und viele andere Auszeichnungen erkocht. «Üppig, kreativ und fantasievoll» beschreibt der Gault Millau seine Kreationen. Als «Entdeckung des Jahres» hat die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS) bereits gefeiert. Im Fernsehen ist er seit 2017 auf Pro 7 bei Galileo zu sehen.


Benedikt Faust 
STERNEKÜCHE KANN JEDER!
Kochbuch, Sterneküche, Essen und Trinken, Rezepte
Hardcover, 192 Seiten, 21,0 x 26,5 cm
GU – Gräfe und Unzer Verlag, 2020


Kulinarische Bücher 

Kochbücher, Backbücher und alles rund um Lebensmittel findet sich kompakt auf dieser Seite. Auch   Genussromane, soweit ich welche lese. Schleckermäulchen also hierher klicken:

Sachbücher

Hier stelle ich Sachbücher vor, die im Prinzip nichts mit Fachliteratur zu tun haben. Eben Sachbücher jeder Art, die ein breites Publikum interessieren könnte.
Sachbücher

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Der Fluch des Hasen von Bora Chung

  Bora Chungs «Der Fluch des Hasen» entzieht sich jeder literarischen Schublade und verwischt die Grenzen zwischen den Genres, ob magischer Realismus, literarischer Horror, Phantastik oder Speculative Fiction. Diese Kurzgeschichten sind klasse! Skurrile, unheimliche, intelligente Geschichten, die uns mit Gänsehaut überziehen. Die Titelgeschichte fand ich genial! Ein einfacher geliebter Haushaltsgegenstand ist mit einem Fluch belegt und bringt nun Unglück in eine Familie. Oder eine heftige Mensch-Android-Liebesgeschichte.  Oder «Narben», ein düsteres, gemeines Märchen. Klasse! Weiter zur Rezension:    Der Fluch des Hasen von Bora Chung 

Rezension - Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling

  Gesprochen von Marc-Uwe Kling Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer, 6 Std. und 27 Min. Die Känguru-Werke, Band 5  Neues vom Känguru! Der Kinderbuchautor (Kleinkünstler Richtung Comedy im Zweitberuf ;-) ), Marc-Uwe Kling und das Känguru rebellieren: bissig, politisch und brandaktuell. Scharfzüngiger Humor, pointierte Gesellschaftskritik und jede Menge Lacher mit dem Aufruf zur Rebellion. Scharf auf die aktuelle Politik geschaut und analysiert – Comedy mit Niveau und mit Haltung. Empfehlung! Weiter zum Verlag:    Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling 

Rezension - Commissaria Iva Markulin und die Schatten über der Adria von Ines Cali

  Iva Markulin, Staatsanwältin in Zagreb , lässt sich in diesem Politkrimi nach Pula versetzen, als ihr Mann bei einem Attentat ums Leben kommt. Wem galt die Autobombe, die an ihrem Auto befestigt wurde? Ihm oder ihr? Mit ihrem kleinen Sohn Matteo zieht sie zu ihrem Großvater, der auf dem Familiengut Terra Rossa in Istrien Olivenöl produziert. Hier ruft sie eine Sonderkommission ins Leben, als deren Leiterin sie die Mörder ihres Mannes ausfindig machen will. Sie hat den Ruf der «Mafiajägerin», lernt schnell das Who is Who an Istriens Küsten kennen, denen es nicht passt, dass ihnen jemand auf die Finger schaut.  Spannender Wirtschaftskrimi , Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Commissaria Iva Markulin und die Schatten über der Adriavon Ines Cali

Rezension - Unter Null Grad – Countdown im Eis von Ele Fountain

  Der Kinder- und Jugendroman entblättert sich als packendes Survivalabenteuer vor dem Hintergrund des Klimawandels in der Arktis. In einem Rutsch durchgelesen – ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen: Zunächst lernen wir abwechselnd Bee und Yutu kennen, deren Wege sich später kreuzen werden – ein Kampf ums Überleben beginnt, und der gegen die Männer, die Bee auf der Spur sind, sie gefangen nehmen wollen. Abenteuer in der Arktis und Freundschaft bis zum Limit. Hervorragender Kinder- und Jugendroman ab 10/11 Jahren und weit darüber hinaus. Weiter zur Rezension:   Unter Null Grad – Countdown im Eis von Ele Fountain

Rezension - Die Reise der Wale: Mein Leben mit den geheimnisvollen Meeresgiganten von Leigh Calvez

  Leigh Calvez erforscht als Wissenschaftlerin seit vielen Jahren das Leben der Wale. Hier erzählt sie sehr persönlich von ihren Begegnungen mit den Giganten der Tiefsee, darunter familiäre Orcas, weit wandernde Buckelwale oder uralte, tief tauchende Blauwale, die größten Tiere des Planeten.  Nebenbei erfährt man in diesem Buch viel über das Leben und Verhalten von sechs Walarten: Orcas, Buckelwale, Pottwale, Blauwale, Grauwale und Blainville-Schnabelwal, bzw. den Kleinen Schwertwal. Weiter zur Rezension:    Die Reise der Wale: Mein Leben mit den geheimnisvollen Meeresgiganten von Leigh Calvez 

Rezension - Verwandlung von Lara Swiontek

  Nach der Novelle von Mary Shelley Was fällt einem zu Mary Shelley ein? Wahrscheinlich «Frankenstein» oder vielleicht noch «Der moderne Prometheus». Die Verwandlung – Kafka, na klar. Aber auch Mary Shelley hat sich mit diesem Thema befasst: Verwandlung. Lara Swionteks hat diese Geschichte als Graphic Novel umgesetzt, eine Literaturadaption. Sie ist schnell erzählt: Reicher, gewissenloser Sohn verschleudert sein Erbe, stößt alle Menschen an den Kopf, die noch zu ihm halten und landet bildlich in der Gosse – hier ist es das Meer. Ein Schiff zerschellt vor seinen Augen – nur ein Zwerg mit einem Schatz überlebt und macht ihm ein Angebot ... Weiter zur Rezension:    Verwandlung von Lara Swiontek

Rezension - Ein verlassenes Haus von Lisa Wölfl

  Die Politiker reden im Fernsehen über die faulen Armen, während Sonjas Ehemann als Leiharbeiter am Bau seinen Rücken verschleißt. Sie verkauft im Bio-Laden teure Tees. Und trotzdem reicht es mit zwei Kindern am Ende des Monats vorn und hinten nicht. Als sie dann ihre Arbeit verliert, weil sie unbezahlten Urlaub nimmt, um im Krankenhaus bei ihrem Sohn zu sein, bricht alles zusammen. Bald hat sie eine neue Arbeit: Mit dem Profil einer schönen, jungen Studentin soll sie nichtsahnende Männern auf einer Datingplattform lange in der Leitung halten. Weiter zur Rezension:    Ein verlassenes Haus von Lisa Wölfl

Rezension - Splendido. Aperitivo von Mercedes Lauenstein und Juri Gottschall

  Die Kunst des guten Essens vor dem Essen Der Aperitivo gehört in Italien schon lange zur Alltagskultur, wie in der Schweiz der Apero, und auch hierzulande wächst der Trend, den frühen Abend mit Sarti Spritz und Negron zu feiern. Und welche regionalen Unterschiede gibt es zwischen Turin , Mailand , Venedig , Rom und Palermo ? Mercedes Lauenstein und Juri Gottschall stellen die Aperitivi und Bitter vor, auch die  alkoholfreien Alternativen. Dann folgen die Rezepte zu den kleinen Köstlichkeiten, die zum Feierabendritual gehört. Wer Anregungen zum Mixen von Aperos sucht, Rezepte zu kleinen Appetithappen als Beilage, wird hier auf jeden Fall fündig! Weiter zur Rezension:    Splendido. Aperitivo von Mercedes Lauenstein und Juri Gottschall 

Rezension - Marlas Bitcoin Abenteuer von Edwin Schotland

  Der Fall in den Kaninchenbau Was ist Bitcoin? So genau verstehen wir es ja selbst nicht. Also wie «das Geld aus dem Internet» Kindern erklären? Ist es stark wie ein Spinnennetz? Oder so schnell wie ein Gepard? Was ist dieses «Biencoin», fragt sich die Biene Marla, die ein Gespräch im Wald belauscht? Sie fragt verschiedene Tiere – doch die haben keine Ahnung, preisen nur ihre eigenen Stärken an. Zum Glück weiß Karl, das Kaninchen, dass es Bitcoin heißt und er erklärt Marla das digitale Zahlungsmittel. Bitcoin, Währungen, Kryptowährung, Blockchain, dieses Kindersachbuch erklärt das ganz gut – allerdings nur das Positive, keine Risiken. Es hinterfragt nichts – preist nur an; ist sozusagen eine Werbebotschaft. Bilderbuch ab 8 Jahren. Weiter zur Rezension:   Marlas Bitcoin Abenteuer