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Bildwörterbuch – Duden - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




Bildwörterbuch – Duden


Begriffe an Bildern erklären. Wie heißt das Dingens da? Duden hat sein Bildwörterbuch vollständig überarbeitete und mit rund 500 farbig illustrierten Seiten (zusammen mit Text 735 Seiten), plus Register, insgesamt 987 Seiten, zu allen wichtigen Bereichen des Lebens zusammengestellt.


Neuauflage wirkt wie aus dem letzten Jahrhundert

In der Neuauflage wurden moderne Bereiche wie »Pflege«, »Elektromobilität« und »Erneuerbare Energien« eingefügt. »Rund 30.000 Begriffe werden durch die direkte Bildzuordnung anschaulich und einfach gezeigt«, sagt Duden. Dabei werden auch viele Fachbegriffe berücksichtigt. Und genau hierin sehe ich das Problem: die Anschaulichkeit. Manchmal ist das gut gelungen, an vielen Stellen kann man nichts erkennen. Beispiel das Auto. Jeder kennt die Begriffe Autotür, Außenspiegel, Scheibenwischer, Autositz. Braucht es die Erklärung? Das ganze Auto ist abgebildet. Schaue ich mir den Motorraum an, ist der für mich nur als schwarz-graue Masse zu sehen. Die Scheibenbremse ... irgendwie am Rad, nicht erkennbar. Eine kleine Zeichnung, mit enorm viel Einzelheiten, die leider nicht zu identifizieren sind, nützen mir überhaupt nichts. Da hätte ich gern über eine ganze Seite eine detaillierte, erkennbare Zeichnung über den Motorraum gehabt. Oder nehmen wir das Café: großflächig ein Café von innen, Stühle, Tische, Menschen und vorn rechts, klitzeklein in die Ecke gedrängt der Tresen, halb verdeckt vom Servicepersonal. Ich lese: Bestellblock, Sahnemaschine, Kaffee- und Espressomaschine, Dampfdüse ... Ich habe die Lupe herausgeholt und nun ist manches erahnbar, anderes nicht zu erkennen. Ganz vorn steht ein Tisch mit einem Kuchenbuffet: Butterkuchen, Pflaumenkuchen, Sahnetörtchen, Streuselkuchen (der sieht aus wie Pralinen) ... das ist alles braun-beige, manches als Kuchen zu erkennen, anderes überhaupt nicht, die Sahnetorte sieht wie Schokoladentorte aus. Das Differenzieren in kleinen Bildern funktioniert nicht. Und in welchem Café liegt der Kuchen mit einem Stapel Teller auf einem Tisch mitten im Raum? Nehmen wir Haar- und Barttrachten des Mannes: Die Zeichnungen sind unattraktiv und teilweise zum Kopfschütteln. Vorn oder hinten, Bart oder Hinterkopf? Halbperücke oder Toupet – wie unterscheide ich echt von Perücke? Die Allongeperücke sieht doch eher wie langes Haar aus und müsste wesentlich länger sein.




Frauenbild aus den Fünfzigen

Viele Seiten sind interessant und informativ. Aber die Grafiken sprechen mich überhaupt nicht an. Sie wirken wie aus den Fünfzigerjahren, ziemlich altbacken. Genauso altbacken wird das Frauenbild dargestellt. Kinderzimmer: Ein Mädchen im Kaufladen, ein anderes spielt mit Puppen, der Junge auf dem Schaukelpferd. - Jungs und Männer beim Schießen, Skateboardfahren, Mädchen im Rhönrad (gleiche Seite) – Mädchen turnen, Jungs machen Leichtathletik – Radsport und Motorspiele, Fechten, na wer wohl? Jungs. Dafür machen Mädchen Ballett und Pferdesport – Bei der Säuglingspflege finden wir die Mama, Frauen als Arzthelferin, Verkäuferin, als Kundin, Erzieherin, Lehrerin, im Supermarkt an der Kasse, und bei allen technischen und handwerklichen Berufen findet man ausschließlich Männer! Beim Camping kocht die Mutti, der Papa taucht. Da kommt einem beim Blättern die Galle hoch! Und wenn wir schon dabei sind, die Personen sind allesamt eindeutig als Germanen zu identifizieren, Eine bunte Gesellschaft kennt Duden nicht. Wohlgemerkt, es ist eine völlig neu bearbeitete Auflage, das Buch ist nicht von 1952! Auch die Gerätschaften in den Arztpraxen sind teils veraltet dargestellt. Da liegt vorn eine dicke Glasspritze aus dem letzten Jahrhundert. Schaue ich mir die Kinderkleidung an, sieht das wie zu meiner Kindheit aus. Bei der gesamten Bekleidung fehlt es an mehr Differenzierung: Es gibt bestimmte klassische Kleiderformen, Hosen, Hemden, Jacken, Mäntel, das ist hier ziemlich oberflächlich gefasst. Ich weiß, was ein Sommerkleid ist, Cocktailkleid, Empire-Kleid, Etuikleid, Shift Kleid usw., das hätte mich interessiert. Bei den Hüten finden wir Sombrero, Mohairhut mit Federputz, Nerzpelzhut, Fuchspelzmütze, Cordmütze, Bisamfellmütze, Safarihut usw. Keine Spur von Fedora, Kreissäge, Homburg, Stratoliner, Bogart, Conway, Collagehut, Florentiner, Milan, Straks usw. Ich glaube, ich muss das nicht weiter erörtern. Alle Insekten sind braun, ein merkwürdiges Bild, alle Pflanzen haben das gleiche Grün, Pilze sind beige. Ist unsere Natur so farblos?


Altbacken mit ungefälliger Grafik

Einige Seiten halte ich für unnötig, wie zum Beispiel die Zimmerbeschreibungen. Dafür hätte ich gern größere, erkennbarere, differenzierte Bilder mit Farben im Wiedererkennungswert. Schade, ich hatte mich auf das Lexikon gefreut.

Duden sagt: »Das neue Duden-Bildwörterbuch ist eine unerschöpfliche Quelle für Deutschprofis und Beginner: für alle Übersetzer, Schriftsteller, Journalisten, Wortendecker, Lehrer, Schüler, Detail- und Sprachverliebten.« (Liebe Duden-Mitarbeiter, das Zitat ist von eurer Webpage – ich wundere mich und mein Rechtschreibduden auf dem PC schimpft – wir kennen nur Entdecker.)

Bei mir ist das Nachschlagwerk völlig durchgerasselt. Die Darstellung der Frau ist eine Katastrophe. Die Grafik ist für meine Begriffe nicht gelungen, sie spricht nicht an, wirkt altbacken, ist teilweise nicht erkennbar. Letzteres ist für mich sehr wichtig, denn darum geht es ja. Das ist ja kein Bilderbuch, dass die Fantasie anregen soll. Inhaltlich wirkt auch einiges altbacken. Für Fachpersonal, wie von Duden angesprochen, halte ich das Buch für ungeeignet.

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