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Catan von Klaus Teuber - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Catan 


von Klaus Teuber

(Teil 1)



Der Anfang: 
Mein Name ist Björn Einarson. Ich lebe auf Catan, einem von Gott mit fruchtbarer Erde gesegneten Eiland.


Klaus Teuber (im letzten Jahr im Alter von 70 Jahren verstorben) entwickelte das bekannte Brettspiel «Die Siedler von Catan», das fast jeder kennt, und das seit 1995 mehr als 40 Millionen Mal in mehr als 70 Ländern verkauft wurde. Wichtig war ihm dabei, dass diese Insel friedlich besiedelt wird und die Bewohner untereinander Handel treiben. Die Catan-Welt hat sich zu einem regelrechten Catan-Universum im Lauf der Jahre entwickelt, und die einzelnen Spielkomponenten wurden in neue Spiele eingebettet, wie Karten-, Würfel- und Computerspiele. Als i-Tüpfelchen hat Teubner nun eine Trilogie dazugegeben, die Geschichte um die Besiedlung der Insel Catan aufgeschrieben.



Der Grund der Flucht

Norwegen im Jahr 860. Die Halbbrüder Thorolf, Yngvi und Digur verhelfen den Töchtern des Wikingerfürsten Halldor zur Flucht; denn Asla soll einen brutalen alten Mann heiraten, um dem Vater mehr Macht zu sichern. Thorolf und Asla lieben sich. Ihre Schwester Stina wäre der Ersatz – die anstelle Aslas diesen alten Mann heiraten müsste, drum folgt sie heimlich die wegschleichende Asla. Die Flucht wird zu Hause aber bald bemerkt und der Bruder der Mädchen hinterhergeschickt, die Schwestern zurückzuholen. Der wird jedoch im Zweikampf mit seinem Freund Thorolf getötet. Halldor schäumt vor Wut: Der Erbe getötet, die Mädchen entführt! Natürlich kommt die Sache heraus, und nun muss sich Ulrik, der Vater von Thorolf, Yngvi und Digur, als Anführer an die Stammesgesetze halten. Neben finanziellen Einbußen, die an Halldor gezahlt werden müssen, verbannt er seine Söhne für 7 Jahre aus der Gemeinschaft. Halldors Rache lässt trotzdem nicht lange auf sich warten. Brandschatzend zieht er durch Ulriks Ländreien. Die Brüder haben von einer Insel im Südwesten gehört, die ein mildes Klima haben soll, und freundliche Eingeborene empfangen Schiffe, die anlegen. (Die Beschreibung des Berichterstatters klingt wie abgeschrieben aus Reiseberichten der Entdeckerzeit der Karibik.) So entschließen sie sich Thorolf, Yngvi und Digur, die Insel zu suchen und zu besiedeln. Sie fragen die Menschen, die ihre Höfe durch Brandschatzung verloren haben, ob sie mitkommen wollen. Auch andere abenteuerlustige Siedler schließen sich an. 


Die Suche nach der Insel

So sticht man mit mehreren Schiffen in See und kauft unterwegs in Dänemark Saatgut, Tiere, Handwerkszeug und vieles mehr ein – und auch Sklaven. Ein Handelsgeschäft mit dem Emir in Cordoba war vorgesehen, ein Kaufmann wollte die Sklaven gewinnbringend verkaufen. Doch die Mauren sind unerwartet auf Krieg aus und die Siedlerflotte kommt in Bedrängnis. Der größte Teil kann sich retten – auch das Schiff, auf dem die Sklaven aus Irland, Britannien und Friesland befinden. Die Siedler geraten nun in einen Sturm, verlieren weitere Schiffe und gelangen schließlich auf eine Insel. Doch es ist nicht die beschriebene Insel; diese ist unbewohnt, grün und es regnet sehr oft. Die Siedler teilen sich in zwei Gruppen, die Nordmänner und die Sklaven, die sich an unterschiedlichen Stellen der Insel niederlassen. 


Verschiedene Vorstellung der Regierungsform

‹Die Sklavenhaltung steht nach meiner Auffassung im Widerspruch zum siebten Gebot: Du sollst nicht stehlen. Genau das tun wir, wenn wir Menschen ihrer Freiheit berauben und sie dann zwingen, für uns zu arbeiten.›

Das ließt sich flott, allerdings an manchen Stellen sehr breit ausgerollt und leider nur mit mäßiger Spannung. Wer gute Spiele macht, sollte es dabei lassen und das Schreiben den Autor:innen überlassen. Ja, man kann das lesen, nett und unterhaltsam, aber mehr auch nicht. Schriftstellerisch lässt der Roman zu wünschen übrig und die Charaktere kommen sehr klischeehaft herüber. Wir haben hier eine Reihe Helden, denen im Grunde nichts Schlimmes passiert; bzw. sie werden stets gerettet. – Das echte Unglück und der Tod ist für die Protagonist:innen vorgesehen, die in den hinteren Reihen stehen. Zwei der Brüder, die charismatisch wirken sollen, sind Gegenpole. Der eine steht für die Alte Welt, zum monarchischen Machtsystem der zu vererbenden Fürstenschaft. Der andere hat neue Dinge im Sinn, wie ebenfalls der charismatische Conner, der irische Anführer der ehemaligen Sklaven: Sie wünschen, dass der Anführer regelmäßig gewählt wird. Alle Menschen sollen gleichberechtigt sein, Frauen wie Männer, die Sklaverei ist abgeschafft. Durch den Anfang des Romans muss man sich durchknabbern, denn die Vorbereitung zur Fahrt wird sehr breit geschildert – sogar eine Waljagd wird über Seiten beschrieben, was die eigentliche Handlung stocken lässt, nicht in den Plot passt. Mit Beginn der Fahrt wird es spannender. 


Hier wird leider heruntererzählt

Drama Baby! Ja, es gibt eins nach dem anderen, eine Menge Konflikte. Und hier zeigt sich das erzählerische Talent – oder auch nicht. Geht man tief in die Charaktere, lässt den Konflikt lodern – oder handelt man die Szenen aus der Ferne als Beobachter ohne Tiefe ab. Letzters hier, wenig packend für den Lesenden, der Roman plätschert dahin – und wie gesagt, an anderen Stellen wird ausgewalzt, wo es nicht nötig ist, anstatt die Handlung voranzutreiben. Hier wird leider heruntererzählt. Es passiert eine Menge – darum ist das Buch unterhaltsam. Für mich läuft bei den Siedlern alles viel zu viel glatt. Auf dieser Insel gibt es alles: fruchtbaren Boden, Holz, Wasser im Überfluss, Erz, Gold, Tiere zum Jagen; keine Gifttiere oder Raubtiere, gute klimatische Bedingungen – und sie haben alles mitgebracht, was man zum sich Niederlassen benötigt, inklusive, Fachmänner und -frauen. Es gibt einige Konflikte, die aber nur an der Oberfläche wabern. Fazit: Kann man lesen, aber man verpasst nichts, wenn man es lässt. Was mich zum großen Grinsen brachte, war die Tatsache, dass es vom Verlag heißt: historischer Roman. Eine Insel, die es nicht gibt, ausgedachte Personen, eine erfundene Geschichte – das nennt man hier historisch? Fantasy, Untergenre: Pseudohistorische Fantasy; so für mich das Genre. Der Kosmos Verlag gibt Altersempfehlung ab 16 Jahren. Da in diesem Allage-Roman keine tiefgreifenden Gräueltaten vorkommen, und der Schreibstil einfach gehalten ist: von mir ab 14 Jahren. Rebecca Gablé hatte mit dem Roman «Die Siedler von Catan» vor 20 Jahren bereits die Siedlergeschichte erzählt, und leider finden sich ziemlich viele Parallelen. Parallelen – schon eine eigene Story, doch eben nichts Neues. 


Seit über vierzig Jahren entwickelt Klaus Teuber erfolgreich Spiele. Mit seinem Brettspiel CATAN gelang ihm 1995 der Durchbruch. Seither sind viele Spiele, Erweiterungen und Ergänzungen entstanden, die Spielerinnen und Spieler in unterschiedliche Zeiten und Welten versetzen.




Klaus Teuber
Catan – Der Roman
Hardcover, 576 Seiten
Pseudohistorische Fantasy, Fantasy, Allage, Jugendbuch, Jugendroman 
Kosmos Verlag, 2022 
Altersempfehlung ab: 16 Jahren (Verlag), von mir ab 14 Jahren. 




Fantasy, Fantastic, Dystopien

Hier bin ich leider in letzter Zeit etwas ratlos. In dieser Rubrik wird wenig auftauchen. Leider habe ich das Gefühl, dass hier keine neuen Ideen kommen. Ich mag nicht immer wieder das gleiche Buch in Abwandlung lesen ... Aber auch hier lasse ich mich gern überraschen. Meist findet man unter den Dystopien doch mal was Neues.
Fantasy

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