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Alma und Oma im Museum von Nikolaus Heidelbach - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Alma und Oma im Museum

von Nikolaus Heidelbach


Für einen vernünftigen Museumsbesuch braucht man drei Dinge. Erstens, die richtigen Schuhe, zweitens gute Augen und drittens genug Zeit. Hast du alles?

Ein Museumsbesuch im Kunstmuseum mit Kindern – wie schaffen wir es, Kindern die alten Meister zugänglich zu machen? Seien wir ganz ehrlich, viele von diesen Bildern sind brutal: Jesus mit dem Kreuz, am Kreuz, Tod und Sünde, der Eingang zu Himmel und Hölle – die Themen auf den Bildern sind nicht immer appetitlich. Wir erfahren ganz am Ende des Sachbilderbuchs, Oma hat mit Alma das Wallraf-Richartz-Museum in Köln besucht, und diese Bilder hängen dort wirklich.




Eine riesige Menge von Bildern wartet auf die beiden. Muss Alma die wirklich alle anschauen? Nein, sagt Oma, man geht öfter ins Museum, schaut sich jedes Mal andere Bilder an. Wichtig ist es, genau hinzuschauen, wahrzunehmen, was man sieht. Monumentale Bilder wie »Maria im Rosengarten« und der »Heilige Antonius«, Altare, kleine Bilder, es gibt eine Menge zu sehen. Oma ist mit Alma über Kopfhörer verbunden, erklärt und beantwortet Almas kluge Fragen. Diese Oma ist eine besondere Frau – sie kann in Bildern verschwinden und Alma muss sie suchen. Auf neun Bildern versteckt sie sich und man muss sie suchen. Man muss genau hinsehen, um die Oma zu finden – so beschäftigt man sich automatisch mit dem Bild, betrachtet es genau.




Oma gibt Alma gute Tipps, wie man sich einem Gemälde nähern kann. Warum hat der Maler dies gemalt? Immer die gleichen Themen zu der Zeit – und warum wird eine Kreuzigung, ein trauriges Ereignis, nicht mit schwarzen Tönen gemalt? Auf Details achten, die dem Maler vielleicht wichtig waren. Oma und Alma stehen im Schlagabtausch. Dies Buch ist sicherlich eine Anregung für Kinder und Eltern, sich vor einem Museumsbesuch mit der Herangehensweise einer Bildbetrachtung auseinanderzusetzen. Gut gelungen.

Nikolaus Heidelbach schafft es, mit seinen Grafiken eine Museumsatmosphäre zu schaffen. Die realen Bilder sind gut in das Gesamtgefüge eingearbeitet. Witzig finde ich die Idee, die Oma in die Bilder zu verstecken, damit man sich länger mit den Bildern auseinandersetzt. Das Bilderbuch ist sicher speziell und wird nur eine bestimmte Klientel ansprechen. Genau darum finde ich es mutig vom Verlag Beltz & Gelberg, solche Kinderbücher zum Thea Museumspädagogik herauszugeben. Mit der Altersangabe, ab 6 Jahren, gehe ich konform.


Nikolaus Heidelbach wurde 1955 geboren, studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Köln und Berlin. Heute lebt er als freischaffender Künstler mit seiner Familie in Köln. Seit den 1980er-Jahren veröffentlicht Heidelbach seine Bücher und gilt als einer der anerkanntesten, zugleich aber auch eigenwilligsten Illustratoren. Neben zahlreichen Bilderbüchern mit eigenen Texten, Illustrationen zu Kinderbüchern (Nöstlinger: »Der neue Pinocchio«), Gedichten (»Oh, Verzeihung, sagte die Ameise« von Josef Guggenmos), Erzählungen, den Märchen der Brüder Grimm und H.C. Andersen, veröffentlichte er auch Bilderbücher für Erwachsene. Außerdem arbeitete er bei den Magazinen »Der Rabe« und »Der Bunte Hund« mit und zeichnete viele Cover-Illustrationen. Im Jahre 2000 wurde er für sein Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet.


Nikolaus Heidelbach 
Alma und Oma im Museum
Beltz & Gelberg, 2019
Sachbilderbuch, gebunden, Format: 21,3 x 28,0 cm, 48 Seiten
ab 6 Jahren

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