Direkt zum Hauptbereich

Herzband – 366 Gedichte über Liebe und Verlust von Günther Butkus - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Herzband 

366 Gedichte über Liebe und Verlust 


Günther Butkus


Mehr als ein Jahr bewegte ich mich fast schwerelos im herzorbit der Liebesgedichte von Günther Butkus. Über tausend Gedichte schrieb er in dieser Zeit. 366 wurden nun der Chronologie ihrer Entstehung folgend für diesen Band ausgewählt … Manche dieser Gedichte sind erhellende Sinnsprüche, andere wie Destillate von Erkenntnissen und Erfahrungen, berührend, … Wieder andere sind erzählerisch, situativ und atmosphärisch wunderbar dicht. (aus dem Vorwort von Alexander Häusser)

Ich werde nun nicht fachsimpeln über Gedichte – ich bin kein Lyrikexperte. Aber ich lese Gedichte, schon immer – und ich besitze einige Bände von Bekannt und Unbekannt, die in meinem Bücherschrank stehen. Die Bände schmücken nicht nur den Raum, ich lese sie auch immer wieder – schwimme gern im Gedankenmeer der Poesie, ohne sie nach fachlichen Normen einzusortieren. Gefällt oder gefällt nicht.

herzschlaf

ans wasser bist

du gefahren mit

nichts als einem

schweren herzen

wird es sprechen

das meer in dir

spürt es die ebbe

oder lockt die flut

dich fort von mir

Die Gedichte von Günther Butkus berühren. Jedes beginnt mit »herz…« und wie im Vorwort beschrieben, sprechen sie viele Bereiche des Lebens an, insbesondere die Beziehung zwischen zwei Menschen. Die meisten Gedichte liegen bei 4 - 8 Zeilen, manche sind länger, oder vielschichtige Zweizeiler, wie z.B. »herzsprecher – jedes herz hat eine geschichte«. Die Interpretation steht nach allen Seiten offen.
Zuversicht, Freude, Humor und tiefer Schmerz; feiernd, beschwörend, trauernd, tiefgründig, sprachlich auf den Punkt gebracht, stellen sich die Verse der Wirklichkeit des Lebens, durch Verknappung auf engstem Raum ein Maximum an Ausdruck zu erreichen. Gedanken entfalten sich eng in der Wahrnehmung. Stilistisch sind diese Gedichte klassisch – also lesebar, in Prosanähe – verständlich. Hier bin ich Frau alter Schule, kann mit vielen modernen Gedichten nicht viel anfangen, die wirre Gedankenfetzen von sich geben, die ich nicht verstehe.

herzauge

mitten im zentrum

des hurrikans kommt

deine hand mit großer

zuversicht nimmst du

mich mit wohin auch

immer es uns treibt

Lyrik-Leser sind eine aussterbende Spezies, leider. Poeten schaffen viel Lesefreude! Und wir sollten viel öfter Gedichte lesen. Mein Fazit zu diesem Band: hat sehr gut gefallen. Die handliche Form (ca. 9 x 15 cm) ist gefällig und der fuchsienfarbige Leineneinband mit haifischfarbigen Buchstaben wirkt schlicht und gleichzeitig, bzw. gerade deshalb, als Hingucker. Wer Lyrik mag, dem wird es gefallen – und sicher kann man mit diesem Band einem Menschen, den man lieb hat eine Freude machen. Also:

herztaxi

musst nur

einsteigen

Günther Butkus ist ein erfolgreicher Verleger. Vor vielen Jahren gründete er den Pendragon Verlag, um Lyrik zu verlegen, merkte aber, dass dieses Genre wenig Käufer findet. Gleichzeitig liebte er hochwertige Krimis und Thriller, verlegte sich auf diese Sparte. Und warum nicht mal wieder einen Gedichtband!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Bis ans Ende der Welt von Anita Ganeri und Michael Mullan

Auf den Spuren großer Entdecker Wir leben in einer Zeit, in der es eigentlich keinen neuen Fleck auf dieser Welt zu entdecken gibt. Jeder kann  für sich selbst Neues entdecken – aber nichts, das für den Rest der Welt noch unbekannt ist. Die Abenteurer aus diesem spannenden Buch lebten in einer Zeit vor uns, als es noch viel zu entdecken gab. Mutige Entdecker*innen erforschten unsere Erde, entdeckten neue Seewege, neue Länder: Hanno der Seefahrer, Zheng He, Marco Polo, Ibn Battuta, Zheng He, Christopher Columbus, Vasco de Gama, Ferdinand Magellan, Hernàn Cortés,  James Cook, Lewis und Clark, David Livingstone, Mary Kingsley, Robert E. Peary, Roald Amundsen, Ernest Shackleton, Amelia Earhart, Norgay und Hillary, Neil Armstrong, Ellen MacArthur. Ein sehr gelungenes Sachbuch f¨ür Kinder!

Weiter zur Rezension:   Bis ans Ende der Welt von Anita Ganeri und Michael Mullan

Rezension - Alle Tiere, die ich (noch nicht) kenne von Laura Bednarski

von A wie Albatros bis Z wie Zipfelfrosch
Ein Kindersachbuch, Tiere von A-Z. Tiere – kennen wir alle, klar. Diese hier auch? Blobfisch, Coati, Coruro, Dugong, Elenantilope, Kaffernbüffel, Meisendickkopf, Quittenwaran, Ohrenqualle, Tasmanischer Teufel, Zwergrüsseldikdik? Und sicher weißt du auch, dass der Riesengoldmull mit dem Tenrek verwandt ist. Nicht? Erwischt? Mich auch – klar, dieses Buch ist nicht nur etwas für Kinder – es ist eins für die Familienbibliothek. Laura Bednarski stellt zu jedem Buchstaben des Alphabets Tiere vor, und bei A finden wir: den Aal, die Agakröte, den Alligator, die Ameise, die Amöbe, den Albatros, den Ara, den Arapaima, den Austernfischer, den Axolotl usw. Dazu erfährt man interessante Dinge zu den Tieren.

Weiter zur Rezension:   Alle Tiere, die ich (noch nicht) kenne von Laura Bednarski

Rezension - Ein Nashorn namens Clara von Katrin Hirt und Laura Fuchs

Ein Bilderbuch, das mich begeistert hat, denn es ist eine wahre Geschichte. Letztendlich eine tragische Story aus heutiger Sicht. Es war einmal ein kleines Nashorn, das mit seiner Familie in Indien lebte. Jäger töteten die Mutter, brachten das Jungtier in die Stadt, wo es von einer Kaufmannsfamilie aufgenommen wurde und den Namen Clara erhielt. Schon bald zeige sich, dass man ein Nashorn nicht im Haus halten kann. Kapitän Douwe Van der Meer hatte eine Lösung parat. Er nahm Clara mit nach Europa. Eine Sensation! So ein Tier hatte hier noch niemand gesehen!

Weiter zur Rezension:   Ein Nashorn namens Clara von Katrin Hirt und Laura Fuchs

Rezension - D Chatz isch zur Sou – Tierweg 1 von Matto Kämpf und Yves Noyau

D Chatz isch zur Sou 
Tierweg 1 
Zwei als Kinderbücher ausgewiesene Exemplare, die mich erreichten – erreichten als gute Karikatur. Beide Bücher sind grafisch eine Wucht! Nicht nur in Farbe und künstlerischem Ausdruck – auch in der Heftigkeit. Karikatur muss dies tun! Mir haen die Bücher gut gefallen. Ob ich die Bücher Kindern in die Hand geben würde? Nein. Sie wären heillos überfordert – das ein oder andere sicher auch schockiert. Kinderbücher sollen genauso gesellschaftskritisch sein, wie Bücher für Erwachsene. Aber eben in der Form für Kinder verständlich und für Kinder visuell aufgearbeitet.

Weiter zur Rezension: D Chatz isch zur Sou – Tierweg 1 von Matto Kämpf und Yves Noyau

Rezension - Simons kleine Lügen – Pudding in Not von Jo Berger

Die Wahrheit ist kompliziert Simon hatte seiner Mutter versprochen nicht mehr zu lügen. Einfacher gesagt, als getan. Ein Comic, eine Graphic Novel, für Neunjährige und ihre Problemzonen. Eine Menge Slapstick steckt in dieser Geschichte, die teils urkomisch ist und andererseits sich auch mit Dingen des Alltags beschäftigt. Wer ein Fan von »Gregs Tagebuch« ist, dem wird dieses Buch auch gefallen, denn es ist in ähnlichem Stil gehalten.

Weiter zur Rezension:   Simons kleine Lügen – Pudding in Not von Jo Berger

Rezension - Kleiner Dreckspatz Aurelia von Dorothea Flechsig und Suse Bauer

Wer draußen spielt, wird schmutzig! Papa hält sich die Nase zu, als er Aurelia auf den Arm nimmt. Waschen? Warum soll sich Aurelia waschen? Die Tiere steigen doch auch nicht in die Badewanne, oder? Aurelia lässt sich nun erklären, wie sich Tiere sauberhalten. Ein Bilderbuch zum Thema Körperhygiene.

Weiter zur Rezension:  Kleiner Dreckspatz Aurelia von Dorothea Flechsig und Suse Bauer

Rezension - Der Report der Magd von Margaret Atwood

Sprecher: Vera Teltz, Charles RettinghausUngekürztes Hörbuch, Spieldauer: 11 Std. und 58 Min. Diese Dystopie von 1985 habe ich vor langer Zeit gelesen und habe sie mir als Hörbuch noch mal angehört, bevor ich mich der Fortsetzung widme, »Die Zeuginnen«, die nach langen Jahren erscheint. Die Magd Desfred berichtet über ihr Leben in einer Diktatur, in der die Frauenrechte über Nacht abgeschafft wurden. Sie lebt in einem System, in dem Gefühle, Freundschaft und Kreativität abgeschafft sind, das von Angst und Gewalt geprägt ist.
Der Roman hat seine Brisanz nicht verloren – gerade in der heutigen Zeit ist er wichtiger denn je, in Zeiten, in den immer mehr Menschen nach »der harten Hand« rufen. Es ruft auf, die Menschenrechte und die Demokratie zu verteidigen, für sie einzustehen, bevor es zu spät ist.

Weiter zur Rezension:   Der Report der Magd von Margaret Atwood

Rezension - Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Ein Schweizer Kultbuch von 2001, neuaufgelegt, ein Comming of age – Roman, schräg, amüsant, empathisch, spleenig. Franz ist einer, der weiß, dass er irgendwie die Schule überstehen muss, mit Abschluss, aber wozu das alles gut sein soll, hat er noch lange nicht kapiert. Schule ist irgendwie ein Stück Heimat, wenn nur der Unterricht nicht wäre. Ein typisches Jugendbuch, allerdings in einer Form, das auch Erwachsenen gefällt.

Hier geht es zur Rezension:   Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Rezension - Der Wintersoldat von Daniel Mason

Der 22-jährige Medizinstudent Lucius wird als Sanitätsoffizier während des ersten Weltkriegs von Wien nach Nemnowice, Galizien, in die Karpaten geschickt. Bisher hatte er seinen Focus eher auf neurologische Dinge gelegt, will später in die Forschung gehen, er hat sich für eine Universitätslaufbahn entschieden. Nun steht er hier als einziger Arzt in einem heruntergekommenen Kriegslazarett. Noch nie hat er chirurgische Eingriffe geübt, amputiert. Die einzige Krankenschwester, eine Nonne namens Margarete, zeigt ihm, was handwerklich zu tun ist. Ein eindrucksvoller historischer Roman über den Unsinn von Krieg. Nebenbei entwickelt sich eine kurze Liebesgeschichte, ein Drama, ein geschichtsträchtiger Stoff aus dem Russlandfeldzug.

Weiter zur Rezension:     Der Wintersoldat von Daniel Mason

Rezension - Ada und die Zahlenknackmaschine von Rachel Katstaller und Zoë Tucker

Dieses Bilderbuch erzählt die Geschichte von Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, besser bekannt als Ada Lovelace, die Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen mit ihrem Freund Charles Babbage ein komplexes Rechenprogramm entwickelte. Sie nannte es »Analytical Engine«. Es war der erste Computer auf der Welt und die Erfindung leitete das Computerzeitalter ein. Sie war die Tochter des berühmtesten englischen Literaten Lord Byron. Die Programmiersprache Ada wurde ihr zu Ehren so benannt. Doch kaum ein Mensch kennt Ada Lovelace. Das soll sich mit diesem Buch ändern.

Weiter zur Rezension:  Ada und die Zahlenknackmaschine von Rachel Katstaller und Zoë Tucker